Landwirtschaft

Das agronomische Aus für 140 ha Ackerland?

Wer im Internet unter Flächenverbrauch sucht, wird schnell fündig. Gegenwärtig sind es in Deutschland 70 ha, also die Fläche von 106 Fußballfeldern, die täglich für Baumaßnahmen vorrangig von der Landwirtschaftlichen Nutzfläche gefordert werden. 2002 wurde jedoch als Indikator  für die Nachhaltigkeit unserer Lebensverhältnisse in Deutschland ein Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehr etc. von nicht mehr als täglich von 30 ha vorgegeben. 2013 erklärte der Präsident des Umweltbundesamtes: „ Auch 11 Jahre nach der Verabschiedung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sind wir noch weit davon entfernt, unser Ziel zur Verminderung des Flächenverbrauch zu erreichen.“

Und was beabsichtigen der Rat des Flecken Bovenden, der Landkreis und die Stadt Göttingen in Hinblick auf die politisch gewollte Reduzierung des nach wie vor hohen Flächenverbrauchs zu tun? Sie wollen ein Güterverkehrszentrum (GVZ) mit einer Größe von 140 ha, also von ca. 200 Fußballfeldern zwischen Holtensen und Leglern errichten lassen. D.h. Unsere Volksvertreter sind dabei, genau das Gegenteil der angestrebten Reduzierung des Flächenverbrauchs zu tun!

Dabei muss betont werden, dass das GVZ direkt in eine Ackerfläche gelegt werden soll, die laut Landesordnungsplan als Vorbehaltsgebiet für die Landwirtschaft ausgewiesen ist. Im Klartext, diese Fläche ist für den dort stattfindenden Ackerbau vorbehalten. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Bodenqualität ist hoch (Lößböden), Steine spielen keine Rolle, das Land ist eben, gut bearbeitbar und die Niederschlagsverteilung ermöglicht hohe Erträge je ha: 8-10t Getreide, 70t Zuckerrüben, 3,5-5t Raps, 120t Trockenmasse Mais. Hochgerechnet auf die 140 ha sind das folgende Erntemengen: 1260t Getreide, 9800t Zuckerrrüben (ca.1760t Zucker), ca. 630t Raps (252t Öl) bzw. 1680t Maistrockenmasse für die Rinder  oder über die Silage zur Biogaserzeugung.

Bei einem jährlichen pro Kopfverbrauch an Brot und Feingebäck von 85 kg und einer Backausbeute von 11250 Broten a 1kg aus 9t Getreide / ha, ergibt sich , dass damit der Brotbedarf eines Jahres von 132 Personen  von einem ha gedeckt wird. Auf 140 ha „wächst“ also Brot für ca. 18000 Menschen, d. h. auf dieser Fläche „wächst“ das jährliche Brot für die Menschen in allen 8 Gemeinden des Flecken Bovenden.

Wird diese wertvolle Ackerfläche zu betoniert, was ja wohl bei einem Logistikzentrum die Norm ist, dann wächst dort nichts mehr, kein Grashalm, kein Löwenzahn oder gar eine Erdbeerpflanze (Firma Mecke!) auf deren Blüte sich eine Biene nieder lassen könnte. Das wäre das totale agronomische Aus! Die Eigentümer werden entschädigt. Geld lässt sich beschaffen. Die Politik verwirklicht ihr Projekt und klopft sich auf die Schultern,was sie zustande gebracht hat. Aber sie muss sich sagen lassen, dass hier die größte Ackerlandvernichtung in der Geschichte des Flecken Bovenden betrieben wird.

Unsere Kinder und Enkel werden vermutlich einmal fragen, wer das  alles beschlossen und durchgeführt hat.

 Keiner soll sagen können, er hätte nichts gewusst!